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Stellungnahme zum Bebauungsplan VI-140cab „Urbane Mitte Süd“

Auf bereits versiegelten Flächen nachzuverdichten ist besser, als Grünflächen dafür zu opfern. So werden keine Versickerungsflächen verbaut und keine dringend in der Stadt benötigten Grünflächen zerstört.

Bevölkerungswachstum, Trockenheit und Überhitzung, Starkregenereignisse, Gesundheitsrisikozunahme und Ressourcenknappheit stellen die Funktionalitäten der öffentlichen Räume und besonders der Grünflächen in Frage. An den öffentlichen Raum (Straßen, Plätze, Freiflächen und Parkanlagen) ergeben sich neue gestalterische und funktionale Anforderungen. Für den öffentlichen Raum stellen sich akut grundlegend neue Herausforderungen.

Das Baufeld „Urbane Mitte Süd“ befindet sich auf dem Gebiet ehemaliger Gleisanlagen, also auf bis vor Freigabe als Baugrundstück unversiegelter Fläche, auf der sich im Laufe der Zeit Spontanvegetation entwickelte.

Baufeld Süd1Bei Umsetzung des  Bauprojektes „Urbane Mitte“ ist von erheblichen Auswirkungen auf die Umwelt auszugehen.

Klimawandel

Die Auswirkungen auf das Stadtklima (Aufheizung der mittleren Umgebungstemperatur um 2-3°C) stellt eine erhebliche Aufheizung dar, für deren Kompensation nicht mit dem Gleisdreiseckpark argumentiert werden darf, da

"Baufeld Süd": Hier wurde zwischen 2013 und 2015 Bäume und Strauchgehölze gerodet.
Im Frühjahr 2016 erfolgte eine Biotoptypenkartierung, als bereits gerodet war.

dieser bereits eine Ausgleichsmaßnahme für den Potsdamer Platz darstellt.


Glasbauweise ist nicht vereinbar mit anzustrebender CO2-Neutralität und den geforderten ambitionierten Maßnahmen des Bezirkes gegen den Klimawandel.

Glasherstellung ist sehr CO2 intensiv. Hinter Glasfassaden muss im Winter verstärkt geheizt und Sommer durch Klimaanlagen, die ihre Wärme zusätzlich in die Umgebung abgeben, gekühlt werden, was die Umgebung weiter aufheizt.

Glasbauweise stellt ein erhebliches Risiko für Vogelschlag dar. Entlang von Gewässern und über Parkanlagen verlaufen Flugrouten von Singvögeln. Der Park ist Lebensraum vieler Arten. Pro Jahr sterben 4 Mio Vögel in Berlin durch Anprall auf Glasscheiben. Zum „Problemfeld Glas“für das Bauvorhaben „Urbane Mitte“ schrieb Frau Dr. Salinger ein gesondertes Gutachten.

Die Ausrichtung der Hochhäuser wird die Luftzirkulation über den Kiez hinaus negativ beeinflussen. Die Erhöhung  der vereinbarten Geschossflächenzahl stellt einen Verstoß gegen den städtebaulichen Vertrag dar.

Hohe Bodenversiegelung

Das Grün- und Freiflächenkonzept sieht vor:

„Die nicht überbauten Flächen sollen als zusammenhängender Stadtraum mit hoher Aufenthaltsqualität gestaltet werden. Der Raum soll einen städtischen Charakter erhalten als Funktionsergänzung und Gegenstück zum benachbarten Park am Gleisdreieck. Das soll vor allem durch eine - in Bezug auf das Material - einheitliche Befestigung der Freiflächen mit Platten und Pflaster erreicht werden. An einigen Stellen soll die Gestaltung durch Pflanzflächen, Wasserelemente oder auch einzelne Baumpflanzungen ergänzt werden.“

„Unter Berücksichtigung der fast vollständigen Unterbauung des Grundstücks durch den S-Bahntunnel und der geplanten Tiefgarage sind nur wenige Baumpflanzungen möglich. Zum (teilweisen) Ausgleich für zu fällende Bäume wird das Anpflanzen von mindestens 3 Laubbäumen festgesetzt.“

Im Zusammenhang mit  zukünftig erwarteten langen Trockenperioden sowie Starkregenereignissen ist ein solcher Versiegelungsgrad nicht vereinbar mit den geforderten ambitionierten Maßnahmen gegen den Klimawandel in Berlin.

Bei Starkregenereignissen wird hier das Niederschlagswasser direkt dem Mischwasser zugeführt und bei Überlastung des Systems direkt in den Landwehrkanal geleitet, was regelmäßig zu Fischsterben führt.

Art der baulichen Nutzung (gem. § 9 Abs. 1 Nr. 1 BauGB)

„Vorgesehen sind - im Sinne eines urbanen Quartiers - Geschäfts-, Büro- und Verwaltungsgebäude, Einzelhandel, Gastronomie, Beherbergungsgewerbe und in eingeschränktem Umfang auch Vergnügungsstätten. Sonstige nicht wesentlich störende Gewerbebetriebe sollen ebenso zulässig sein wie Anlagen für kirchliche, kulturelle (z.B. Museum und Bibliothek), soziale, gesundheitliche und sportliche Zwecke.“

Unsere Kritik: Aktuell stehen viele Büroflächen home-office-bedingt, leer. Home-office wird in der Zukunft verstärkt realisiert.

In Anbetracht der Tatsache, dass sich die Gewerbesituation seit Corona (Leerstand, Kündigungen von Büroflächen, Hotelinsolvenzen ) und die Klimasituation durch den immer schneller voranschreitenden Klimawandel seit Beginn der Bauplanungen spürbar verändert haben, stellen wir sowohl die vorgesehene o.g. Nutzungsart als auch die Dimensionen der geplanten Gebäude sowie die Bodenversiegelung (Tiefgarage) infrage.

Anstatt klimaresilient und artenschutzkonform zu planen, stehen hier rein imobilienwirtschaftliche Interessen im Focus.

Ist diese rein gewerbliche Nutzungsart dergestalt großer Gebäude nicht am Bedarf und an den Erfordernissen der Zeit vorbei geplant?

Hier müssen die aktuellen Veränderungen aufgenommen und die Planungen angepasst werden.

Wir beanstanden die vorbereitenden Maßnahmen, hier konkret Rodungen und Fällungen auf den jetzigen Baufeldern zwischen 2012 und 2015 und weisen in diesem Kontext auf die daraus resultierenden Bewertungen im Umweltbericht hin.

(Zum Zeitlichen Rahmen der Rodungen: -Rahmenvertrag: 2005, -Städtebauliches Werkstattverfahren 2014/2015,-Ökologisches Gutachten (Scharon): 2017)

Von den o.g. Rodungen ausgenommen wurden lediglich 3 Laubbäume, geschützt nach BaumSchVO.

Für den Zeitraum vor Rodungsbeginn ( 2012) ist kein ökologisch-faunistisches Gutachten hinterlegt. Wir gehen daher davon aus, dass diese Rodungen ohne vorhergehende Begutachtung vollzogen wurden. Dies wirkt sich auf die Bewertung im faunistischen Gutachten von 2017 (Scharon) aus, das dem Umweltbericht als Fachgutachten zugrunde liegt.Hier steht:

 “Im Bestand stellt sich das Plangebiet als weitgehend vegetationsfrei bzw. -arm dar. Der überwiegende Teil des Plangebietes ist durch Aufschüttungen mit spärlichem Bewuchs geprägt. Im Plangebiet befinden sich drei Bäume.“

 „Der Park am Gleisdreieck bietet für die wenigen Arten geeignete Ausweichlebensräume. Für die genannten Arten ist davon auszugehen, dass die lokalen Populationen im räumlich-ökologischen Zusammenhang durch den Verlust einzelner Brutplätze nicht beeinträchtigt werden. Die Verbotstatbestände sind nicht erfüllt, eine weitere Prüfung ist nicht erforderlich.“

Wir sehen diesen Verbotstatbestand in den Jahren 2012 bis 2015 aufgrund oben erwähnter und ohne vorhergehende faunistische Begutachtung bereits vollzogener Rodungen folgendermaßen erfüllt:

Gebäudestrukturen der Bahnhofsanlagen und Bahntrassen im Bahnhofsbereich stellen günstige Brutmöglichkeiten für Gebäudebrüter dar. In Verbindung mit Nahrung und Deckung bietender Spontanvegetation  (in räumlich-ökologischen Zusammenhang)    ist von Ansiedelung auszugehen.

Nachgewiesen wurden im Plangebiet die Arten Bachstelze, Hausrotschwanz und Haussperling vor allem im süd-östlichen Bereich, also in den Gebäuden und U-Bahntrassen.

Hierzu das Gutachten S. 16 (Scharon 2017): „Zu den ganzjährig geschützten Niststätten gehören solche, die über mehrere Jahre genutzt werden, wie Greifvogelhorste, Baumhöhlen und Höhlen sowie Nischen an Gebäuden.“

Das Bauvorhaben wird nur dann rechtskonform durchgeführt, wenn auf Grundlage des §44 Abs. 1 BNatSchG und §45 Abs. 7 BNatSchG (Ersatz)-Maßnahmen angeordnet werden, die den funktionalen Zusammenhang tatsächlich! vorhandener Ruhe- und Aufzuchtsstätten sowie Brutplätze wiedergeben, den Erhalt von für die Fortpflanzung essentiellen Nahrungsflächen berücksichtigen und somit insgesamt die fortwährende Existenz der ökologischen Funktionen von Lebensstätten sicherstellen. Es wurden im Zuge der vorbereitenden Bauarbeiten bereits Lebensstätten (Ruhe- und Fortpflanzungsstätten) gebäudebewohnender Arten durch Rodungen zerstört, die nicht erfasst wurden und deren ökologischer Ersatz im Gutachten daher nicht angegeben wurde, entgegen der Vorschriften der Berliner Gebäudebrüter VO. 1

Im Fazit zum Umweltbericht  Schutzgut Pflanzen und Tiere wird ausgeführt, durch die Planungen ergeben sich "keine erheblichen Beeinträchtigungen der Lebensraumfunktion der Tiere und Pflanzen. Der Lebensraumverlust für die kartierten Freibrüter (Scharon 2017) wird als nicht erheblich bewertet. Auch der Verlust des Jagdgebietes für die Zwergfledermaus ist nicht als erhebliche Beeinträchtigung zu bewerten."

Dieses Fazit betreffs Biologischer Vielfalt ist also nur ein Teil der Ergebnisse des Fachgutachtens (Scharon 2017).

Im B-Plan Entwurf werden artenschutzrechtliche Konflikte und gesetzliche Vorgaben somit nicht berücksichtigt, die in dem zugrundeliegenden Fachgutachten allerdings deutlich benannt wurden, die gesetzlichen Zugriffsverbote für Gebäudebrüter (Haussperlinge, Hausrotschwanz, Bachstelze) betreffend.
Für diese gilt das Tötungsverbot und im Unterschied zu Freibrütern auch das GANZJÄHRIGE Verbot der Zerstörung von Fortpflanzungsstätten, weshalb funktionserhaltende Maßnahmen erforderlich werden.

"Der Rückbau von Gebäuden sollte außerhalb der Brutzeit erfolgen. Kann das nicht gewährleistet werden müssen unmittelbar vor Baubeginn die betroffenen Gebäude nach vorhandenen Nist- und Lebensstätten abgesucht werden. Beim Fund kann dies während der Brutzeit zu Einschränkungen im Bauablauf führen.
Für die ganzjährig geschützten Nistplätze müssen im Falle einer Beseitigung


Ersatzniststätten an geeigneten Standorten angebracht werden (siehe Abschnitt 6.4.)."

Wir fordern Sie auf, diesen Erfordernisse Rechnung zu tragen und die Planung entsprechend anzupassen, ansonsten ist der B-Plan nicht vollzugsfähig.

Rodungen fanden im Plangebiet ab 2012 auf folgenden Flächen statt:

Die Fläche westlich des Gebäudes U-Bahnhof Gleisdreieck (U 2) und zur Grundstücksgrenze Gleisdreieckpark West waren bis 2014 relativ dicht mit Strauchgehölzen sowie mit groß- und kleinkronigen Bäumen, bewachsen, der Grünstreifen entlang der Sockel der Bahngleise an der Fahrstraße parallel des U Bhf. U2 war ebenfalls spontan mit Robinien und Birken dicht bewachsen.

Für die Haussperlingskolonie am U Bahnhof, die im Umweltgutachten nicht erwähnt wurde, im ökologischen Gutachten (Scharon 2017) aber kartiert ist, liegt nahe, dass es sich bei diesen Gehölzen um regelmäßig genutzte Fortpflanzungs- und Ruhestätten handelte.

Der Park am Gleisdreieck steht für diese Haussperlinge als Ausweichlebensraum, wie im Umweltgutachten beschrieben, nicht in räumlichem Zusammenhang zu den Brutplätzen. Ihr Aktionsradius während der Brutzeit ist auf 50 – 100 m begrenzt.

Auf dieser Fläche befindet sich heute
  • Der temporäre B-Part mit seiner auf rund vier bis sechs Jahre avisierten Nutzung. Für die Errichtung des Experimentier-Labores wurde ohne vorliegende faunistische Begutachtung gerodet. Es fand kein Erhalt vorhandener Vegetation oder Ausgleichspflanzungen statt.
  • Nach dieser Zwischennutzung entstehen dort massive Gebäude mit kompletter Bodenversiegelung.
  • https://bpart.berlin/de/2018/10/08/b-part-das-holzhaus-im-park/
Das Gebäude erhielt den ICONIC AWARD 2020.

Die Auszeichnung bezieht sich rein auf das Gebäude. Dass zur Baufreimachung der Naturschutz nicht beachtet wurde, wird außer Acht gelassen.

Das jetzige „Baufeld Süd“ war ebenfalls seit dem Rückbau der Gleisanlagen mit Spontanvegetation aus Strauchgehölzen sowie groß-und kleinkronigen Bäumen bewachsen. Dort steht jetzt noch einer der drei erwähnten, nach BaumSchVo geschützten und zu ersetzenden Bäume. Die anderen Bäume auf diesem Baufeld wurden ebenfalls zwischen 2012 und 2015 gerodet.

Auch hierzu finden wir kein ökologisch-faunistisches Gutachten.

  1. 48 der Begründung zum B-Plan (Umweltgutachten) weist auf §44 BNSchG hin.
Für das das Bauvorhaben stellen wir die rechtskonforme Durchführung infrage, wenn nicht vor den Rodungen eine ökologisch-faunistische Untersuchung durchgeführt wurde, die den funktionalen Zusammenhang tatsächlich! vorhandener Ruhe- und Aufzuchtsstätten sowie der Brutplätze wiedergibt, den Erhalt von für die Fortpflanzung essentiellen Nahrungsflächen berücksichtigt und somit insgesamt die fortwährende Existenz der ökologischen Funktionen von Lebensstätten sicherstellt.

Es wurden im Zuge der vorbereitenden Baumaßnahmen bereits Lebensstätten (Ruhe- und Fortpflanzungsstätten) gebäudebewohnender Arten durch Rodungen zerstört, die nicht erfasst und deren ökologischer Ersatz daher nicht im Gutachten angegeben ist.

Baufeld Süd2Vermeidungs- und Ersatzmaßnahmen im räumlich-funktionalen Zusammenhang müssen im Gutachten ausgeführt und die Standorttreue einzelner Tierarten berücksichtigt sein.

Des Weiteren sind die zu rodenden Bäume auf dem jetzigen Gelände des Gleisdreieckparkes westlich des Technikmuseums sowie eines Streifens des Geländes Technikmuseum, das als Baufeld bzw. Feuerwehrzufahrt in Verlängerung der Trebbiner Straße im B-Plan ausgewiesen ist,

"Baufeld Süd" und rechts davon die Bäume des Gleisdreieckparks
bzw. bereits zum Gelände des Technikmuseum gehörend. ("Stadtwald").


nicht erfasst und Ausgleichspflanzungen hierfür werden nicht erwähnt.


Hierzu fordern wir eine Nachberücksichtigung der zwischen 2012 und 2015 im Zuge der bauvorbereitenden Maßnahmen /Zwischennutzung gerodeten Bäume und Strauchgehölze sowie der Bäume auf den Flächen Gleisdreieckpark und Technikmuseum, die für das Baufeld Süd bzw. die Feuerwehrzufahrt gefällt werden sollen und eine entsprechend erhöhte  Anzahl der auszugleichenden Bäume und einheimischen Gehölze.

Bündnis Stadtnatur in K61 — Dezember 2020
WEM GEHÖRT KREUZBERG zur Besetzung der Habersaathstr. 46

Logo Leerstand hab ich saathAm 29.10.2020 wurden einige der seit Jahren leerstehenden Wohnungen in dem Spekulationsobjekt Block Habersaathstraße 40-48 in Berlin-Mitte von wohnungslosen Menschen besetzt.
(mehr auf dem Blog: lhis.uber.space)

Die Stadtteilinitiative WEM GEHÖRT KREUZBERG solidarisiert sich mit dieser Besetzung und verurteilt die Räumung aufs Schärfste.
29.10.2020 Pressemitteilung: Stay at home! — Obdachlose nehmen sich Wohnungen in Mitte

Heute haben sich wohnungs- und obdachlose Menschen mehrere Wohnungen in der Habersaathstraße 46 angeeignet. Solidarische Unterstützung erhalten sie von Mitarbeiter*innen von Sozialvereinen und mietenpolitisch Engagierten. Die Wohnungen in bester Lage standen seit mehreren Jahren leer.

Wohnen und Gesundheit sind Menschenrechte

Ein langer Winter steht vor der Tür und die Corona-Infektionszahlen steigen durch die Decke. Trotz massenhaften Leerstands in Berlin müssen weiterhin Menschen auf der Straße oder in überfüllten Unterkünften leben. Schutz vor Infektion oder Zugang zu medizinischer Versorgung sind so stark beeinträchtigt. Kälte, Nässe, Stress und Armut tun ihr Übriges.
Stopp Heimstaden!

Das Bündnis 'Gemeinsam gegen Verdrängung und #Mietenwahnsinn' solidarisiert sich mit den Mieter*innen aus über 130 Häusern im Widerstand gegen den Großspekulanten Heimstaden und fordert mehr Mieter*innen-Schutz.


Stop HeimstadenIn einem Megadeal will Heimstaden mitten in der Corona-Pandemie mehr als 130 Mietshäuser mit rund 4.000 Wohnungen in Berlin kaufen. Die Mieter*innen sind alarmiert. Die außerparlamentarischen mietenpolitischen Initiativen sind alarmiert. Die Stadt ist alarmiert. Zu Recht, denn sowohl ein Megadeal als auch Heimstaden verheißen nichts Gutes.

Verkauft werden die Häuser teilweise von Schönhaus Immobilien, negativ aufgefallen mit der Zerstörung bezahlbaren Wohnraums durch überteuertes, möbliertes Kurzzeitwohnen. Der grösste Teil des Megadeals stammt aber von Gabriel International, ein weiterer intransparenter und bei Mieter*innen berüchtigter Großspekulant. Dass sich Schönhaus verkleinert und Gabriel International evtl. sogar ganz aus Berlin zurückzieht, ist super. Dass Heimstaden kommt, muss verhindert werden. Denn auch Heimstaden steht für die Zerstörung bezahlbaren Wohnraums durch die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen.
Offener Brief: Recht auf Wohnen garantieren — Leerstand beschlagnahmen

Folgenden offenen Brief hat das Bündnis 'Gemeinsam gegen Verdrängung und #Mietenwahnsinn' am 07.10.2020 an Pressevertreter:innen, alle Abgeordnete des Berliner Abgeordnetenhauses sowie an mietenpolitisch aktive Initiativen versandt.

Jedes Jahr werden ca. 5.000 Zwangsräumungen in Berlin vollzogen.

2020 10 08 vor der Liebig34 01Manchmal gibt es Protest. Die meisten geschehen aber so still und leise, dass es nicht einmal die Nachbar:innen mitbekommen. Für die Betroffenen endet diese brutalste Form der Verdrängung häufig in der Wohnungslosigkeit oder Obdachlosigkeit. Günstigen Wohnraum finden die wenigsten danach.
Am 9. Oktober wird dies anders sein. Das anarchistische, queer-feministische Hausprojekt in der Liebigstr. 34 in Berlin-Friedrichshain mit 40 Bewohner:innen, einem Veranstaltungsraum und einem Infoladen soll geräumt werden. Nur zum Vergleich, selbst das große Modellprojekt des Senats gegen Wohnungslosigkeit „Housing First“ will innerhalb von 3 Jahren nur 40 Menschen unterbringen.

Ein Großaufgebot der Polizei wird vermutlich den Kiez in den Ausnahmezustand versetzen und viele Anwohner:innen in ihrem Alltag stören. Ein ähnliches Szenario bot sich vor Kurzem den entnervten Bewohner:innen im Neuköllner Schillerkiez bei der Räumung der Kneipe Syndikat. Der ganze Einsatz soll aber nicht als krasser Angriff auf die Interessen der Berliner Mieter:innen gesehen werden, sondern wird als ein Beispiel für rot-rot-grüne Sicherheitspolitik verkauft. Denn seit Jahren werden im Friedrichshainer Nordkiez in einen sogenannten „Gefahrengebiet“ grundlegende Bürgerrechte außer Kraft gesetzt, begleitet von einer entsprechenden Medienkampagne. Das Einrichten der sogenannten „roten Zone“ setzt dem ganzen die Krone auf. Weder Demonstrations- noch Bewegungsfreiheit sollen hier ihren Platz finden.
Die Schließung einer Grundschule und einem halben Dutzend Kitas werden ebenfalls in Kauf genommen.
19.09.2020 Fotos von der Demo WER HAT, DER GIBT


05.09.2020: Bauvorhaben Postscheckareal

Zum Bauvorhaben Postscheckareal am Halleschen Ufer hat das Bündnis Stadtnatur in K 61 eine Stellungnahme verfasst und beim Stadtplanungsamt eingereicht.



Hier zeichnet sich laut Planzeichnung ein weiterer Verlust eines öffentlichen Raumes für Kreuzberg mit starker Nachverdichtung, eine weitere Hitzeinsel im Klimageschehen der Stadt, eine nächste große Zerstörung von Strauchhabitaten als Lebensgrundlage für die dort heimischen streng geschützten Singvögel ab. Die Rodungen und Abrissarbeiten sind im Gange. Auf dem Nachbargrundstück befindet sich eine Grundschule.
02.09.2020: Pressemitteilung der Fünf Häuser Initiative

Wir holen uns unsere Häuser zurück!

5 HäuserSchon wieder gehen in Berlin mehrere milieugeschützte Mietshäuser in einem Millionendeal über den Ladentisch. Noch ist der Kauf nicht wirksam. Es bleiben nur 6 Wochen, um den bezirklichen Vorkauf in die Wege zu leiten. Solidarisch kämpfen wir gegen den Ausverkauf der Kieze und für bezahlbaren Wohnraum!

Wir sind die Mieter*innen von fünf Häusern in Milieuschutzgebieten Friedrichshain-Kreuzbergs, die das Immobilienunternehmen Heimstaden Bostad AG, vertreten durch die Skjerven Group, für schwindelerregende 30 Millionen Euro kaufen will. Eine anschließende Umwandlung in Eigentumswohnungen und damit die Verdrängung der Bestandsmieter*innen ist angesichts dieses spekulativen Preises zu befürchten. Um das zu verhindern, fordern wir die Unterstützung von Bezirk und Senat! Wir fordern wirksamen Milieuschutz!
Fahrradtour zu realisierten und geplanten Neubauprojekten in Kreuzberg 61

am Sonntag, den 30.08., im Rahmen der Kreuzberger Kiezwoche


Etwa 35 Menschen radelten gemeinsam am Sonntagnachmittag durch Kreuzberg 61 um das Ausmaß einer immer massiveren Verdichtung des Stadtteils durch schon realisierte und geplante Neubauprojekte anzusehen.

Neubauprojekte, die fast ausschließlich im hochpreisigen Segment liegen — teure Eigentums- oder Mietwohnungen — die für viele Menschen nicht mehr bezahlbar sind.

Bezahlbarer Wohnungsneubau war auf der Strecke kaum zu finden.
Stellungnahme der Stadtteilinitiative WEM GEHÖRT KREUZBERG zur Räumung des Kneipenkollektivs „Syndikat“ am 07.08.2020

SyndikatWir sind wütend.

Wütend über eine weitere gewalttätige Zwangsräumung.

Diesmal wurde das seit mehr als 34 Jahren existierende Kneipenkollektiv „Syndikat“ in Neukölln geräumt. Die englische Milliardärsfamilie Pears, die mehr als 3 000 Wohnungen in Berlin besitzen und damit einer der großen Player auf dem Wohnungsmarkt, hat die Räumung ausschließlich per Gerichtsbeschluss durchgesetzt, ohne auf die Gesprächsbereitschaft mit den Gewerbebetreibende einzugehen.