Redebeitrag auf der Kiezdemo am 17.07.2016 zur Bockbrauerei

Hallo liebe Demoteilnehmerinnen und Demoteilnehmer, liebe Anwohnerinnen und Anwohner!
Wir begrüßen Euch auf unserer Kiezdemo gegen Aufwertung und Verdrängung.
Wir befinden uns vor dem Gelände der Bockbrauerei, Fidicinstr.3, auf dem sich viele soziokulturelle Projekte sowie Kleingewerbe befindet, die sich akut von Verdrängung bedroht sehen.
Wir, die Initiative „Kiezaktiv Bockbrauerei“, engagieren uns dafür, genau dies zu verhindern.

Kurz zur Geschichte der Bockbrauerei:

Die 1839 eröffnete „Bockbrauerei am Tempelhofer Berg“ nimmt in der Geschichte des Brauereiwesens in Berlin eine bedeutende Rolle ein. Bockbier war zu jener Zeit ein Novum in Norddeutschland. Historisch gesehen ist die 1839 eröffnete Bock-Brauerei die älteste Berliner Brauerei für untergärige Biere.
Neben der Herstellung des Bockbiers erfreuten sich die auf dem Gelände stattfindenden Bockbierfeste („Urbock auf dem Tempelhofer Berge“) bei den Berlinern großer Beliebtheit. Bis in die dreißiger jahre des 20. Jahrhunderts blieb die Bockbrauerei die meistbesuchte Vergnügungsstätte der Berliner.
Zudem fanden auf dem Gelände bedeutende politische Versammlungen der Arbeiterbewegung sowie außergewöhnliche Sportveranstaltungen wie z.B. Boxkämpfe im Rahmen der Europameisterschaft und Deutsche Meisterschaften im Halbschwergewicht statt.
1922 wurde die Bierproduktion auf dem Brauerei-Gelände am Tempelhofer Berg eingestellt. Aufgrund dessen begann die Umnutzung der Brauerei-Bauten als Wirtschaftsstandort für verschiedenes Kleingewerbe.
Speziell in den 80er Jahren siedelten sich auf dem Gelände verschiedene kieznahe Projekte an.
So nutzen z.B. seit dieser Zeit Weinhandlungen die historischen Kellergewölbe als Lagerräume, es gibt verschiedene Trommelschulen, eine Tanzschule und das Archiv für Jugendkulturen auf dem Gelände, auch das Theater Thikwa hat hier seine Proberäume.
Desweiteren gibt es hier eine Elektronikfirma, eine Werbefirma, ein Busunternehmen sowie Lagerräume eines Blumenladens.
Von 1955 bis zum 14.12.2015 gehörte das Gelände der Familie Mann, die auch von 1990 bis zum Jahr 2013 die Gebäude schrittweise sanierte und modernisierte.
Am 14.12.2015 kaufte der Investor Leibfried von der Bauwert-Investment Group das Gelände.
Am 1.April 2016 fand dann formal der Eigentümerwechsel statt.

Der Investor Leibfried ist kein Unbekannter:
  • derselbe Investor hat das Luxuswohnprojekt „Kronprinzengärten“ in Berlin-Mitte so nahe an die denkmalgeschützte Friedrichwerdersche Kirche bauen lassen, dass diese nun Risse aufweist und geschlossen werden musste.
  • gegen den erklärten Willen der ansässigen Friedrichshainer Bevölkerung werden von ihm auf dem sog. Freudenbergareal v.a. hochpreisige Eigentumswohnungen errichtet, ohne andere Bedürfnisse wie bezahlbaren Wohnraum, kommunale Einrichtungen oder eine Parkanlage angemessen zu berücksichtigen.
Der Investor hatte ursprünglich folgende Pläne für das Gelände der Bockbrauerei:

den Abriss sämtlicher Flachbauten, die nach dem Krieg errichtet wurden sowie den Abriss der an der Schwiebusser Str. stehenden teilerhaltenen historischen Bauten, in denen sich die Räume des „Percussion Art Centers“ und ein Tonstudio befinden.
Anstelle dessen plante er den Bau von 250 Eigentumswohnungen im Luxussegment und 75 Mietwohnungen.
Dieser ursprüngliche Plan wurde vom Bezirk Kreuzberg abgelehnt.
Der Bebauungsplan wurde dahingehend geändert, dass das Gelände nun Gewerbegebiet bleiben soll und somit keine Bebauung mit Luxuswohnungen mehr möglich sein soll.
Nichtsdestoweniger habe die ersten Mieter bereits zu Ende des Jahres ihre Kündigung erhalten, andere suchen bereits von sich aus nach anderen Räumlichkeiten, um ihre Projekte weiterführen zu können. Für viele der hier ansässigen Gewerbetreibenden ist es ungewiss, ob sie auch in Zukunft an diesem Standort bleiben können.
Zudem ist unklar, ob der Investor nicht auf dem Klageweg versuchen wird, seine ursprünglichen Pläne doch noch durchzusetzen.

Wir als Initiative „Kiezaktiv Bockbrauerei“ setzen uns für den Erhalt der Projekte und des Kleingewerbes auf dem Gelände der Bockbrauerei ein.
Es fand bereits eine große Kiezversammlung zu diesem Thema statt.

Die Baupläne des Investors sehen auch den Bau einer großflächigen Tiefgarage vor. Dies würde die Zerstörung der baugeschichtlich als sehr wertvoll einzuordnenden historischen Brauereikeller bedeuten. Um dies zu verhindern, haben wir die denkmalrechtliche Unterschutzstellung der historischen Brauereikeller beantragt.
Zudem haben wir uns bereits des Öfteren in der Öffentlichkeit zu Wort gemeldet.
  • wir fordern den Erhalt der gewachsenen Projektelandschaft und des Kleingewerbes auf dem Gelände der Bockbrauerei, keine Verdrängung von kieznahem Gewerbe durch renditeträchtige hochpreisige Eigentums-Wohnanlagen
  • den Erhalt der Kreuzberger Mischung
  • keine Verdrängung von Mietern und Gewerbetreibenden aus der Innenstadt
  • gegen den Ausverkauf unserer Stadt
  • bezahlbarer Wohnraum für Alle
Wir lassen uns nicht verdrängen! Wir bleiben Alle!