Zusammenfassung der Informationsveranstaltung vom 25.04. zum Verkauf der Bockbrauerei

Das Gelände der Bockbrauerei auf dem Gelände zwischen Fidicinstraße und Schwiebusser Straße wurde kürzlich an die Bauwert Investment Group verkauft. Der Investor beabsichtigt, die Flachbauten auf dem Gelände, auf dem etwa 30 Gewerbetriebe angesiedelt sind, abzureißen und Wohnraum, insbesondere hochwertige Eigentumswohnungen, zu bauen.

Zwischen 80 und 90 Menschen haben am 25. April an der Veranstaltung im Wasserturm, zu der WEM GEHÖRT KREUZBERG und Anwohnende eingeladen haben, teilgenommen. Sie sind gekommen, um sich zu informieren und vielleicht auch zu engagieren. Darunter, nicht eingeladen, auch Jürgen Leibfried, Vorstand der Bauwert.

Nach einem historischen Überblick über die Entwicklung des Geländes berichtete WEM GEHÖRT KREUZBERG über den Verkauf, der in aller Stille über die Bühne gegangen ist, und stellte die Pläne des Investors in einen Zusammenhang mit der baupolitischen Entwicklung im Kiez. Ein engagierter Anwohner schilderte die Konsequenzen der Bebauung für Anwohner*innen und Natur. Aktivist*innen von der Ideenwerkstatt aus Friedrichshain berichteten von ihren Erfahrungen mit dem Investor anlässlich der Bebauung des Freudenberg-Areals.

Julian Schwarze, Mitglied im Kreuzberger Ausschuss für Stadtentwicklung, Mieten, Soziale Stadt und Quartiersmanagement, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Ordnungsamt und für die Grünen in der BVV Kreuzberg-Friedrichshain, erläuterte die bisher unternommenen Schritte. Er kündigte an, dass am 27.04.16, in der BVVV über den Bebauungsplan des Geländes entschieden werden soll. Es ist vorgesehen, die Nutzung als Gewebestandort festzuschreiben.

Auf Wunsch der Mehrheit der Anwesenden stellt Herr Leibfried persönlich die Pläne des Investors vor. Jedenfalls mehr oder weniger, denn immer, wenn es konkret werden sollte, blieb er schwammig: Was er auf dem Gelände genau bauen will — weiß er noch nicht. Wohnungen natürlich. Aber wie viele? Vielleicht auch ein paar Sozialwohnungen. Natürlich will er niemanden vertreiben. Wenn Verträge auslaufen, können die Nutzer*innen sich wieder bewerben. Dass sie dann evtl. höhere Mieten zahlen müssen, erwähnte er nicht. Spaßeshalber sei noch sein Vorschlag zur Lösung der Wohnungskrise vorgestellt: Der Senat solle die Wohnungsbaugesellschaften anweisen, ihre Wohnungen zu einem qm-Preis von 1000 € verkaufen. Zurzeit seien die Zinsen so niedrig — da könne sich jeder eine Wohnung kaufen. Na also! Doch, was erst mal absurd klingt, weist die Richtung, in welche die Lobbyisten drängen: die traditionelle Mietenstadt Berlin soll Eigentums-Stadt werden!

Die Nachfrage aus dem Publikum, wie er denn unverdrossen weiter vom Wohnungsbau sprechen könne, obwohl er vernommen habe, dass die BVV Kreuzberg Gewerbenutzung festschreiben will, schien ihn nicht zu tangieren. Selbstbewusst bezog er sich auf den geänderten Flächennutzungsplan vom 28.01.2016, der für das Gebiet Wohnungsbau vorsehe. Tatsächlich weist der am 28.01. geänderte Flächennutzungsplan den Bereich zwischen Fidicinstraße und Schwiebusser Straße als Wohnbaufläche aus, während er davor noch als Gemeinbedarfsfläche ausgewiesen wurde. Sieht so aus, als habe Herr Leibfried gute Beziehungen zum Senat — schließlich spielt er seit 30 Jahren im Berliner Baufilz ganz oben mit!

Ergebnisse der Veranstaltung

Eine Arbeitsgruppe will für das historische Gebäude und die historischen Kellergewölbe Denkmalschutz beantragen.

Ein Nachfolgetreffen findet statt am Montag, 02.05 um 19 Uhr im Wasserturm (1. Stock, im „Mädchenraum“).
Das Treffen ist offen für alle die sich engagieren möchten.

zum Nachhören: Beitrag von Julian Schwarze



und Investor Jürgen Leibfried